
Man sollte gehen, wenn es am Schönsten ist! „Ja, es hat durchaus Spaß gemacht die letzten drei Jahre“. Es war ein interessantes und nach wie vor spannendes Projekt. E1NS war die erste konsequente mediale Verbindung zwischen den Städten Konstanz und Kreuzlingen. Alle 14 Tage mit 55 000 in alle Haushalte der großen Zwillingsstadt am See mit 32 bunten Seiten. Knapp 2500 Seiten voller Stories, News, Infos und immer wieder im Mittelpunkt - die Menschen dies- und jenseits der Grenze. In drei Jahren jede Menge Redaktion also. Überdies der einzige grenzübergreifende Veranstaltungskalender, in dem alle Kreuzlinger und alle Konstanzer Termine gesammelt wurden. In Kreuzlingen beispielsweise erscheinen heute noch keine Terminseiten über Konstanz - und das, obschon Stadt und Kanton selbst etwa für das Theater auf deutscher Seite jährliche Zuschüsse geben. Schwer nachvollziehbar. Wie übrigens so vieles, was sich die letzten Jahrzehnte im Verhältnis der beiden Städte entwickelt hat - leider nicht immer zum Besseren.
Dagegen - so war die Idee - wäre es doch sinnvoll mit Informationen, Fakten und wechselseitigen Stories anzugehen und die Macher vorzustellen. Manchmal sogar zum ersten mal zusammen zu bringen. Wenn mittlerweile ein Viertel fünf von 20 000 Einwohnern in Kreuzlingen Deutsche sind, da ist das grenzübergreifende Interesse mehr als naheliegend. Und wenn Kunstgrenzen statt Drahtzäune mehr einen als trennen, wenn wesentliche Sportvereine mit wechselseitigem Personal Meisterschaften erkämpfen, wenn tagtäglich Tausende Schweizer in Konstanz ein und ausgehen und in jeder Sonntagsrede das Hohelied der gemeinsamen statt trennenden Grenz-Region gesungen wird - ja dann wollten wir das Text-Buch zum Mitsingen liefern. Oft sogar mit notwendigerweise dazu gelieferter Übersetzung ins jeweils andere „Deutsch“.
Mit viel Elan sind wir gestartet und sind hartnäckig am Ball geblieben. In den drei Jahren haben wir so auch viele Punkte für uns machen können. Und wir wären auch weiter gerne im Spiel geblieben…
Wenn - ja wenn sich jetzt die Rahmenbedingungen nicht deutlich verschlechtern würden:
Im Kreuzlinger Markt etwa erodieren Handel und Gastronomie in Rekordzeit. Unsere Medien-Fachkräfte werden dagegen vom Schweizer Arbeitsmarkt magisch angezogen - verkehrte Welt. Und diametral dazu die Meinung des werbetreibenden Handels und der Gastronomie im deutschen Schtädtle - „die Konstanzer und die Schweizer kommen doch sowieso“. Darüberhinaus wollten wir beim „Seiten-Verschenken“ nicht mitspielen - eine gute Leistung sollte auch einen fairen guten Preis erzielen. Das alles auch noch vor der Kulisse eines sich abkühlenden Gesamt-Wirtschaftsklimas. Okay - irgendwie wäre das alles sicher auch gegangen - aber jetzt ernsthaft: wofür eigentlich?
Unter diesen Rahmenbedingungen ist es für uns wirtschaftlich jedenfalls nicht sinnvoll.
Bleibt nur Danke zu sagen: Ein Dank an alle Kunden, die wie wir der Überzeugung sind, dass die zwei Städte Konstanz und Kreuzlingen eigentlich mehr verdient hätten. Dankbar sind wir auch Ihnen als Leser. Es gab bereits jetzt viele Menschen, die sich, geschockt von unserem Entschluss, bei uns gemeldet hatten. Das ehrt uns, denn es zeigt, unsere Arbeit hat sich für diese Mit-Menschen gelohnt.
Auf kurze Sicht wird es also ein neues Jahr geben - ohne die E1NS. Wenn Ihnen 2013 etwas fehlt - so ist das das größte Kompliment an unser Team, bestehend aus Redakteuren, Freien, Akquisiteuren, Verlagsleitung, Organisation, Verteil-Orga und jede Menge Verteilern, die bei jedem Wetter unterwegs waren: Danke für den E1NSatz!
Mir bleibt, Ihnen ein paar erholsame Feiertage zu wünschen - tanken Sie Kraft, 2013 wird hart genug werden.
Wir wünschen Ihnen nun viel Lese-Vergnügen mit der letzten E1NS, für die wir uns ein paar schöne Überraschungen haben einfallen lassen: Man soll schließlich gehen, wenn es am Schönsten ist…
Ihr Markus Hotz